Wenn es kein zurück mehr gibt

Es gibt wirklich wichtigere Dinge als Mode, das weiß sogar ich.
Und genau darum geht es in diesem Post.
Mit diesem Post möchte ich dem ein oder anderen die Anregung geben, mal nachzudenken. Darüber nachzudenken, dass es wichtigere Dinge gibt, als den Stolz und die eigene Sicht über richtig oder falsch.
Ich weiß genau wie oft man sauer über die anderen ist, über die besten Freunde, die Eltern, Familie oder die Menschen mit denen man sonst zu tun hat.
Aber glaubt mir, es gibt nichts schlimmeres, als zu spät zu kommen. Zu spät um zu sagen, ich habe dich lieb und es tut mir leid. Es tut mir leid, dass ich mich nie gemeldet habe, dass ich nicht wusste wie stolz du warst und dass wir uns beide einfach nur nicht getraut haben uns zu melden, aus Angst zu wissen, dass man nicht gebraucht wird.
Haltet öfter mal inne, ruft Oma und Opa an, hört euch die Storys über die blöden Nachbarn und deren Angewohnheiten an. Es freut sie!
Ich habe in letzter Zeit so einige Sachen in den Sand gesetzt und ja ich schäme mich dafür.
Ihr denkt euch nun, ach die labbert nur dummes Zeug aber hier eine Geschichte, über die ihr nur kurz nachdenken sollt.
Es war der 31.12.2014, Silvester Abend. Wieder bekomme ich Nachrichten darüber, dass es meinem leiblichen Vater sehr schlecht gehen soll und dass er nun wieder auf der Intensiv Station liegt. Natürlich rufe ich im Krankenhaus an, um mich zu informieren und frage nach, ob ich kommen soll und ob er wieder gesund wird. Ein blödes Wort von der Krankenschwester und ich gehe vollkommen an die Decke. Anstatt ihr zu sagen, dass ich furchtbar Angst habe ihn nicht nochmal zu sehen und ihm nicht sagen zu können, dass wir das mit seinem Businessplan für ein neues Restaurant locker schaffen, sage ich ganz gemeine Sachen, von wegen sie solle ihre Arbeit mal anständig machen und mir genau sagen, wie lange ich noch Zeit habe vorbei zu kommen.
Ich wäre auch an diesem Abend noch los Gefahren, mir egal ob es Silvester war. Aber nein die Krankenschwester versuchte mich zu beruhigen und sagte mir, Frau Schmüth wenn sie morgen los fahren wird das alles noch klappen, keine Sorge.
Natürlich fahre ich am nächsten Tag los und 350 Kilometer vor diesem beschissenen Krankenhaus kommt es zu dem Anruf von meiner Mutter. Ich hatte gerade eine Stunde im Auto geschlafen, wir fahren auf einen Rastplatz und dann sehe ich an den vier verpassten Anrufen und den SMS ich solle mich unbedingt melden, dass ich nicht anrufen will.
Ich lasse es klingeln, Mama nimmt ab und sagt als erstes ich solle mich nicht aufregen, dass er mich geliebt hat und das es nicht meine Schuld ist.
Ich weiß noch wie ich ausgetickt bin, mitten auf diesem einen Rastplatz. Ich habe gegen diese beschissene Parkbank getreten und gegen den Tisch, es war mir egal ob mir mein Fuß weh Tat oder ob mir das Bein abfällt. Ich war sauer, sauer auf mich und die Welt. Ein Glück war ich nicht alleine auf diesem Rastplatz und ich bin froh um die Person, die hinter mir stand und mich festgehalten hat. Sonst wäre ich einfach weg gelaufen, das mache ich nämlich meistens.
Ich kann sagen, ich habe mich nie nie nie schlechter gefühlt als da.
Ich kam einfach zu spät und es lies sich nicht ändern, kein Zug den ich verpasst hatte, wo ich einfach den nächsten nehmen konnte.
Ich bin zwei Wochen später zu seiner Beerdigung Gefahren und habe ihm einen Brief in sein Grab gelegt.
Ich habe Leute getroffen, die ich 15 Jahre nicht gesehen hatte und sie waren nicht sauer, sondern wir alle waren froh, dass der neben uns da war. Ich habe von vielen Leuten gehört wie stolz er war und wie oft er doch von mir und meiner Halbschwester gesprochen hat. Und genau seit dem Tag weiß ich wie wichtig es ist über seinen Schatten zu springen. Ich habe lange überlegt fahre ich wirklich dort hin oder lasse ich es bleiben?
Ich bin froh, dass ich hingefahren bin, denn seitdem habe ich meine Halbschwester wieder und das bedrückende Gefühl, dass ich Schuld sein könnte wird mit jeden Tag weniger.
Ich weiß, er würde sich freuen wie oft ich doch die Toten Hosen CD höre und dass ich mich nun sogar selber mal hinter den Herd stelle, koche und dabei Gewürze benutze.
Und auch wenn wir unsere Differenzen hatten, hatten wir uns lieb, keine frage.

Nein mit diesem Post möchte ich kein Mitleid, das brauche ich nämlich nicht, ich will nur, dass ihr darüber nachdenkt, wie schön das Leben ist und wie lebenswert!
Und wenn ihr euch fragt, wieso macht die das nun als einen öffentlichen Post, ganz einfach, ich hatte meinem Vater bei unserem letzten Telefonat von meiner Idee einen Blog zu erstellen erzählt und er meinte, dafür würde er sich sogar Internet daheim holen. Auch weiß ich, dass seine Freundin ihm Bilder von meinem Instagram Account ausgedruckt hat und jeden Tag eins ins Krankenhaus mit gebracht hat. Ich weiß welches sein liebstes Bild war und das er fand, dass ich auf dem letzten Weihnachtsbild lustig aussehe mit meinem schiefen Dutt. Auch weiß ich nun, dass meine Halbschwester immer genau diesen Dutt hat und das wir mehr gemeinsam haben als gedacht.

Das letzte mal habe ich ihn zu meinem 18. Geburtstag gesehen und meine einzigen Erinnerungen und Überbleibsel sind in einer Kiste, die ich einen Monat nach seiner Beerdigung zugeschickt bekommen habe. In der Kiste sind alle Postkarten, Einladungen und Bilder die er je bekommen hat. Auf einer Karte von meiner Mutter an ihn steht, Lena hat nun aufgehört aus der Flasche zu trinken, die braucht sie nun nicht mehr.

IMG_5941
Das sind die Dinge die bleiben, nicht mehr und nicht weniger

 
Außerdem muss ich mich bei meinen besten Freunden Maja und Viki entschuldigen, ich habe beiden in den letzten Monaten so einige Nerven gekostet und das tut mir leid.

Advertisements